Wo fängt Fremdgehen an?

Die Grenze zwischen Treue und Untreue verstehen

Paar unterwegs, ein Moment der Ablenkung sorgt für Unsicherheit in der Beziehung
Manchmal beginnt ein Vertrauenskonflikt nicht mit einer Handlung, sondern mit einem Moment der Aufmerksamkeit nach außen.

Emotionale und körperliche Untreue erkennen und einordnen

Wo fängt Fremdgehen an? Diese Frage beschäftigt viele Menschen in Beziehungen. Vielleicht haben Sie selbst gerade ein ungutes Gefühl, weil Ihr Partner intensive Nachrichten mit einer Kollegin austauscht. Oder Sie fragen sich, ob Ihr eigenes Verhalten bereits eine Grenze überschritten hat. Eine klare Antwort darauf gibt es nicht.

Eine Studie eines bekannten Online-Dating-Portals aus dem Jahr 2024 zeigt: Nur noch 57 Prozent der Deutschen sehen Küssen als Fremdgehen an. 2018 waren es noch 81 Prozent. Die Vorstellungen von Treue verschieben sich also. Was für den einen bereits ein Vertrauensbruch ist, findet der andere völlig harmlos. Kein Wunder, dass genau hier in vielen Beziehungen Konflikte entstehen.

Inhaltsverzeichnis

Das Wichtigste in Kürze

  • Fremdgehen hat keine universelle Definition. Was als Untreue gilt, hängt von den Vereinbarungen und Erwartungen innerhalb Ihrer Beziehung ab.
  • Die Grenze verläuft dort, wo Vertrauen gebrochen wird. Entscheidend ist nicht nur die Handlung selbst, sondern auch die Heimlichkeit dahinter.
  • Emotionales Fremdgehen kann genauso verletzend sein wie körperliches. Tiefe emotionale Bindungen zu einer anderen Person werden oft als schwerwiegender empfunden als ein einmaliger Kuss.
  • Männer und Frauen definieren Untreue unterschiedlich. Frauen reagieren sensibler auf emotionale Nähe, Männer eher auf körperliche Intimität.
  • Offene Kommunikation schützt Ihre Beziehung. Paare, die frühzeitig über ihre Erwartungen sprechen, vermeiden Missverständnisse und Verletzungen.
  • Bei Unsicherheit oder Konflikten kann professionelle Unterstützung helfen. Kontaktieren Sie mich für ein unverbindliches Gespräch.
Paar sitzt sich nachdenklich gegenüber, unterschiedliche Vorstellungen in der Beziehung
Was als Grenzüberschreitung empfunden wird, hängt oft von unausgesprochenen Erwartungen ab.

Was genau bedeutet Fremdgehen?

Der Duden definiert Untreue als „Liebesbeziehung außerhalb der Ehe oder festen Partnerschaft“. Das klingt eindeutig, hilft aber im Alltag wenig. In meiner Arbeit als Paartherapeut erlebe ich immer wieder, wie unterschiedlich Menschen Treue verstehen.

Als Paartherapeut betrachte ich Fremdgehen als einen Bruch der Beziehungsvereinbarung. Und diese Vereinbarung sieht bei jedem Paar anders aus. Manche haben klare Absprachen getroffen. Bei anderen existieren die Grenzen nur als unausgesprochene Erwartungen. Genau das wird dann zum Problem.

Was alle Formen von Untreue verbindet: der Vertrauensbruch. Fremdgehen beginnt dort, wo Sie etwas vor Ihrem Partner verbergen, weil Sie wissen, dass es ihn verletzen würde. Oft ist die Heimlichkeit das eigentliche Gift, nicht die Handlung selbst.

Körperliches Fremdgehen: Vom Flirt bis zum Sex

Flirten und Blickkontakt

Die meisten Menschen würden einen harmlosen Flirt nicht als Fremdgehen bezeichnen. Eine Erhebung eines deutschen Dating-Portals aus dem Jahr 2020 ergab: Nur 26 Prozent der Frauen und 20 Prozent der Männer empfinden Flirten als Untreue. Ein freundliches Lächeln, ein charmantes Gespräch auf einer Party, das gehört für viele zum normalen Leben dazu.

Anders sieht es aus, wenn der Flirt zur Gewohnheit wird. Wenn Sie regelmäßig die Nähe einer bestimmten Person suchen und dabei bewusst Grenzen austesten, wird es heikel. Hier zählt nicht nur, was Sie tun. Sondern auch, warum Sie es tun.

Küssen als häufiger Grenzbereich

Beim Küssen scheiden sich die Geister. 64 Prozent der Frauen und 49 Prozent der Männer sehen Fremdküssen als Untreue. Bei den 18- bis 29-Jährigen sind die Grenzen oft strenger als bei älteren Menschen.

Der Kontext spielt eine Rolle. Ein betrunkener Kuss auf einer Party? Für manche ein verzeihbarer Ausrutscher. Für andere ein klarer Trennungsgrund. Hier gibt es kein richtig oder falsch. Nur das, was Sie und Ihr Partner als Grenze empfinden.

Flüchtiger Kuss auf einer Feier, Unsicherheit über persönliche Grenzen
Ein kurzer Moment kann harmlos wirken – und dennoch Fragen nach Nähe, Grenzen und Vertrauen aufwerfen.

Sexuelle Handlungen und Seitensprung

Hier sind sich die meisten einig. Sex mit einer anderen Person gilt als Fremdgehen. 82 Prozent der Deutschen sehen einen One-Night-Stand als Untreue, bei einer längerfristigen Affäre sind es 85 Prozent.

Trotzdem gibt es Abstufungen. Manche Paare unterscheiden zwischen einmaligem Ausrutscher und wiederholtem Betrug. Andere machen da keinen Unterschied. Am Ende zählt, was in Ihrer Beziehung vereinbart ist.

Emotionales Fremdgehen: Die unsichtbare Grenze

Was eine emotionale Affäre ausmacht

Bei einer emotionalen Affäre passiert körperlich nichts und doch kann sie eine Beziehung genauso gefährden. Sie teilen Ihre tiefsten Gedanken, Sorgen und Träume mit jemand anderem als Ihrem Partner. Sie freuen sich mehr auf die Nachrichten dieser Person als auf die Ihres Partners. Sie denken ständig an sie.

Typische Anzeichen: Sie verheimlichen den Kontakt oder spielen ihn herunter. Sie vergleichen Ihren Partner mit der anderen Person. Sie investieren mehr emotionale Energie in diese Verbindung als in Ihre Beziehung.

Wann Freundschaft zur Gefahr wird

Natürlich dürfen Sie enge Freundschaften haben. Der Unterschied liegt in der Exklusivität und der Heimlichkeit. Eine Freundschaft bereichert Ihr Leben, ohne Ihre Beziehung zu gefährden. Eine emotionale Affäre entzieht Ihrer Partnerschaft Energie und Nähe.

Besonders heikel: Freundschaften mit Ex-Partnern. Viele Menschen empfinden den Kontakt zur Vergangenheit als Bedrohung. Hier schwingen oft alte Gefühle, gemeinsame Erinnerungen und eine Vertrautheit mit, die dem aktuellen Partner fehlt. Das bedeutet nicht, dass solche Freundschaften unmöglich sind. Aber sie erfordern besondere Offenheit und klare Absprachen.

"Wenn Paare nach einer Affäre zu mir kommen, höre ich immer wieder dasselbe: Die Lügen und die Heimlichkeit schmerzen mehr als die eigentliche Handlung. Der Vertrauensbruch ist das zentrale Thema, nicht der Sex."

Warum emotionale Untreue oft tiefer verletzt als körperliche

Viele Betrogene sagen: Die emotionale Komponente tut mehr weh als der körperliche Aspekt. Einen einmaligen Seitensprung kann man vielleicht noch als Fehler abtun. Aber wenn der Partner sein Herz einer anderen Person öffnet, fühlt sich das nach echtem Verrat an. Nach: Du hast mich ersetzt.
Paar sitzt nebeneinander, emotionale Distanz durch digitale Nähe zu anderen

Micro Cheating und digitale Grauzonen

Was ist Micro Cheating?

Kleine Verhaltensweisen, die kein klassisches Fremdgehen sind, aber trotzdem Grenzen verletzen können. Zum Beispiel: heimliches Liken und Kommentieren bei einer bestimmten Person, das Löschen von Chatverläufen, die Anmeldung bei Dating-Apps „nur zum Schauen“, intensive Privatnachrichten mit jemandem, für den man sich interessiert, oder das bewusste Verschweigen von Treffen.

Die digitale Welt hat neue Grauzonen geschaffen. Eine Nachricht ist schnell geschrieben, ein Profil schnell besucht. Alles wirkt so unverbindlich. Aber auch kleine Grenzüberschreitungen können das Vertrauen beschädigen.

Ein einfacher Test: Würden Sie das, was Sie gerade tun, auch tun, wenn Ihr Partner auf Ihren Bildschirm schaut? Wenn Sie bei dieser Vorstellung zusammenzucken, befinden Sie sich wahrscheinlich in einer Grauzone.

63 Prozent der Deutschen sehen die Anmeldung bei Dating-Apps oder Seitensprung-Portalen als Fremdgehen. Bei der Generation Z sind es sogar 75 Prozent. Jüngere Menschen sind hier oft strenger als ältere.

Person zögert mit Smartphone, Unsicherheit bei digitalen Grenzüberschreitungen
Emotionales Fremdgehen am Handy beginnt oft leise in Momenten des Zögerns und der Heimlichkeit.

Warum Paare Treue so unterschiedlich definieren

Unterschiede zwischen Männern und Frauen

Die Forschung zeigt deutliche Geschlechterunterschiede. Frauen definieren Untreue breiter. 44 Prozent empfinden es als Fremdgehen, wenn der Partner Gefühle für eine andere Person entwickelt, auch ohne zu handeln. Bei Männern nur 30 Prozent.

Männer reagieren sensibler auf körperliche Untreue. Für sie beginnt Fremdgehen oft erst bei konkreten Handlungen. Frauen nehmen emotionale Nähe zu einer anderen Person als bedrohlicher wahr.

Das führt zu Missverständnissen. Er denkt: Solange nichts passiert ist, gibt es kein Problem. Sie fühlt sich längst betrogen, weil er emotional woanders ist. Beide reden aneinander vorbei, ohne es zu merken.

Generationsunterschiede

Die Toleranzgrenzen verschieben sich mit dem Alter. 64 Prozent der Generation Z stufen heimliche Treffen ohne Sex als Fremdgehen ein. Bei den 60- bis 69-Jährigen sehen das nur 38 Prozent so. Jüngere Menschen haben oft strengere Vorstellungen von Treue. Interessant, weil sie gleichzeitig offener über alternative Beziehungsmodelle sprechen.

Persönliche Prägungen

Ihre eigene Geschichte beeinflusst, wie sensibel Sie reagieren. Wer selbst betrogen wurde oder Untreue in der Familie erlebt hat, ist oft empfindlicher. Wer in einem Umfeld aufgewachsen ist, in dem Treue weniger Bedeutung hatte, sieht manches entspannter.

Das ist weder richtig noch falsch. Es erklärt aber, warum Paare manchmal so unterschiedliche Vorstellungen haben.

Paar in Fußgängerzone reagiert unterschiedlich auf eine Begegnung
In einer vertrauensvollen Beziehung mit klaren Absprachen sind selbst Begegnungen oder Freundschaften mit Ex-Partnern keine Bedrohung für die Partnerschaft.

Die entscheidende Frage: Was gilt in Ihrer Beziehung?

Es gibt keine allgemeingültige Definition von Fremdgehen. Was zählt, ist das, was Sie und Ihr Partner vereinbart haben. Haben Sie diese Vereinbarung nie getroffen? Dann leben Sie mit unausgesprochenen Erwartungen. Das kann gut gehen. Muss es aber nicht.

Der Beziehungsforscher John Gottman spricht davon, eine gemeinsame Landkarte der Beziehung zu entwickeln. Dazu gehört auch ein gemeinsames Verständnis von Treue. Wer frühzeitig miteinander spricht, vermeidet später Verletzungen.

Wenn Sie Unterstützung brauchen

Die Frage „Wo fängt Fremdgehen an?“ lässt sich nicht pauschal beantworten. Was zählt, ist Ihre ganz persönliche Beziehungsvereinbarung. Wenn Sie unsicher sind oder spüren, dass Sie und Ihr Partner unterschiedliche Vorstellungen haben: Das ist kein Grund zur Sorge. Es ist eine Einladung zum Gespräch.

Sollten Sie bei diesem Gespräch Unterstützung wünschen oder sich bereits in einer schwierigen Situation befinden, bin ich für Sie da. In meiner Praxis in München Pasing, in Schongau oder online begleite ich Paare auf diesem Weg.

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Ihr Manfred Heiber

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Häufige Fragen (FAQ)

Das hängt von Ihrer Beziehung ab. Etwa 57 Prozent der Deutschen sehen Fremdküssen als Untreue. Frauen sind mit 64 Prozent strenger als Männer mit 49 Prozent. Ob ein Kuss verzeihbar ist, steht auf einem anderen Blatt. Manche Paare können einen einmaligen Kuss verzeihen, für andere ist er ein Trennungsgrund. Entscheidend ist, ob beide bereit sind, das Geschehene aufzuarbeiten und das Vertrauen zurückzugewinnen.

Eine enge Freundschaft bereichert Ihr Leben, ohne Ihre Partnerschaft zu gefährden. Bei einer emotionalen Affäre teilen Sie Ihre tiefsten Gedanken und Gefühle bevorzugt mit der anderen Person. Sie verheimlichen den Kontakt, löschen Nachrichten, denken ständig an diese Person. Wenn Sie Ihrem Partner gegenüber nicht offen über den Kontakt sprechen können, ist das ein deutliches Warnsignal.

Kommt drauf an. Berufliche oder freundschaftliche Nachrichten sind in der Regel kein Problem. Wenn Sie aber flirten, intime Details teilen oder bewusst Nachrichten löschen, wird es heikel. Der Test: Würden Sie sich genauso verhalten, wenn Ihr Partner mitlesen könnte? Wenn nicht, sollten Sie Ihr Verhalten überdenken.

Frauen empfinden emotionale Untreue als bedrohlicher. 44 Prozent sehen es als Fremdgehen, wenn der Partner Gefühle für jemand anderen entwickelt. Bei Männern nur 30 Prozent. Männer reagieren stärker auf körperliche Handlungen. Diese Unterschiede haben evolutionäre und kulturelle Hintergründe. Wichtig ist, diese verschiedenen Perspektiven zu kennen und miteinander abzugleichen.

Reden Sie miteinander. Offen und ehrlich. Welche Verhaltensweisen würden Sie verletzen? Was erwarten Sie voneinander? Wie gehen Sie mit Freundschaften, sozialen Medien, beruflichen Kontakten um? Führen Sie dieses Gespräch in einer ruhigen Phase, nicht erst wenn es kracht. Falls Sie dabei Unterstützung brauchen, kann eine Paartherapie helfen, dieses Gespräch in einem geschützten Rahmen zu führen.

Manfred Heiber

Mein Name ist Manfred Heiber, systemischer Therapeut (DGSF).
In meiner Praxis in München begleite ich Menschen, die mit belastenden Erfahrungen oder inneren Konflikten leben – oft schon lange.

Vielleicht gibt es in Ihrem Leben ein Ereignis, das Sie nicht loslässt. Oder Sie merken, dass bestimmte Gefühle, Gedanken oder Reaktionen immer wieder auftauchen, obwohl „eigentlich alles gut“ sein sollte.

In solchen Situationen arbeite ich mit zwei wirkungsvollen Methoden:
Mit der systemischen Therapie, um Zusammenhänge zu erkennen, neue Perspektiven zu gewinnen und innere Ressourcen zu stärken und mit EMDR, um tief sitzende seelische Verletzungen zu verarbeiten und innere Stabilität zurückzugewinnen.

Was auch immer Sie gerade bewegt: Ich unterstütze Sie dabei, Ihren eigenen Weg zu verstehen – und mutig weiterzugehen.

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